IBF-Erfolgsberatung für Unternehmen

Die Krankschreibungen haben im ersten Halbjahr 2016 einen neuen Höchststand erreicht. Meist sind Rückenschmerzen, Erkältungen und psychische Probleme der Grund. Das Thema Krankheit trifft irgendwann jeden. Die wichtigsten Rechte und Pflichten im Überblick.

Krankschreibung: Was rechtlich gilt

Seit zwanzig Jahren gab es nicht mehr so viele Krankschreibungen in Deutschland wie im ersten Halbjahr 2016. Das ermittelte die gesetzliche Krankenkasse DAK-Gesundheit und spricht von einem neuen Höchststand. Der Krankenstand von 4,4 Prozent in den ersten sechs Monaten des Jahres lag um 0,3 Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr 2015. Zuletzt lag er in den 1990ern bei dieser Höhe.

So zeigte sich:

  • dass mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) im ersten Halbjahr 2016 mindestens einmal krankgeschrieben war.
  • dass die Erkrankung im Schnitt 12,3 Tage andauerte (0,6 Tage länger als noch 2015).
  • und dass Berufstätige im Osten Deutschlands länger und häufiger krankgeschrieben waren (Krankenstand im Ost: 5,5 Prozent, im Westen 4,2 Prozent). Die Anzahl der Fehltage lag in den östlichen Bundesländern um 32 Prozent höher.

Krankgeschrieben waren die meisten aufgrund von drei Krankheitsarten : Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen (22 Prozent der Krankschreibungen), gefolgt von Krankheiten des Atmungssystems (17 Prozent) – also Erkältungen und grippale Infekte – und psychischen Erkrankungen (16 Prozent).

Was gilt rechtlich bei der Krankschreibung?

Wie die Zahlen zeigen, ist das Thema Krankschreibung wichtig für jeden Arbeitgeber. Deshalb sollte er auch wissen, was arbeitsrechtlich dabei zu beachten ist.

Wie sieht eine ordnungsgemäße Krankschreibung aus?

Krankmeldung: Sehr häufig streiten Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor Gericht über eine ordnungsgemäße Krankmeldung. Das Problem: Viele gehen erst zum Arzt und informieren dann den Arbeitgeber. Das ist jedoch rechtlich nicht korrekt. Eine Krankmeldung muss bei Dienstbeginn vorliegen – sonst verstoßen Arbeitnehmer gegen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten. Wer das nicht macht, muss mit einer Abmahnung rechnen – im schlimmsten Fall, wenn das wiederholt vorkommt, sogar mit einer verhaltensbedingten Kündigung kommen.

 

Wann brauche ich ein Attest?

Attest: Die Krankmeldung ist jedoch von der Krankschreibung zu unterscheiden. Spätestens nach drei Tagen muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine Krankschreibung vom Arzt vorlegen. Dabei zählen nicht die Arbeits-, sondern die Kalendertage. Wer also am Freitag wegen Krankheit nicht zur Arbeit kommt, muss die Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit des Arztes bereits am Montag vorlegen, wenn er an diesem Tag noch krank ist. Von diesem Grundsatz gibt es jedoch Ausnahmen. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2012 kann der Arbeitgeber auch verlangen, dass Arbeitnehmer die Krankschreibung schon am ersten Tag vorlegen.

 

Was ist mit dem Geld, wenn krankgeschrieben wird ?

Entgeltfortzahlung: Auf Entgeltfortzahlung haben alle Arbeitnehmer Anspruch – auch Teilzeitarbeiter und Minijobber. Voraussetzung ist allerdings, dass das Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt dann trotz Krankheit für maximal sechs Wochen weiter.

Krankengeld: Sind Angestellte länger krankgeschrieben, bekommen sie Krankengeld von der Krankenkasse. Das ist eine Sozialleistung in Höhe von 70 Prozent des Arbeitsentgelts. Maximal werde es für eineinhalb Jahre gezahlt. Der Arzt muss dafür die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen.

 

Muss  zuhause bleiben wer krankgeschrieben ist?

Aktivitäten während der Krankschreibung: Eine Krankschreibung bedeutet nicht, dass man ans Bett gefesselt ist. Erlaubt ist alles, was die Genesung fördert. Wichtig ist nur, dass Arbeitnehmer nichts machen, das die Beschwerden verschlimmert. Bei einem Rückenleiden ist Gartenarbeit sicherlich nicht angezeigt. Ein Besuch bei Bekannten oder im Kino könne dagegen unter Umständen durchaus in Ordnung sein.

Urlaub: Bereits genommener Urlaub verfällt bei Krankheit nicht. Wer im Urlaub wegen Grippe flachliegt, aber keine Ferientage verschenken will, muss sich am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber krankmelden.

 

Kann gekündigt werden, wegen krankgeschrieben Seins ?

Krankheitsbedingte Kündigung: Fallen Arbeitnehmer wegenKrankheit immer wieder aus, darf der Arbeitgeber ihnen im Extremfall kündigen. Die Voraussetzungen dafür sind jedoch sehr hoch: So müssen Angestellte beispielsweise mehrere Jahre regelmäßig mehr als sechs Wochen krankgeschrieben sein. In diesem Fall kann es für den Arbeitgeber unzumutbar sein, den Angestellten weiter zu beschäftigen. Das gleiche gelte, wenn bei einem Arbeitnehmer wegen einer Langzeiterkrankung in den nächsten Jahren kein Wiedereinstieg in den Job zu erwarten ist. Ein Beispiel kann ein Bauarbeiter sein, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist und deswegen nicht mehr auf ein Gerüst klettern kann.

Streitigkeiten wegen krankheitsbedingter Kündigungen kommen in der Praxis häufig vor. Anders als bei verhaltens- oder betriebsbedingten Kündigungen urteilen die Gerichte bei Kündigungen wegen Krankheit sehr arbeitnehmerfreundlich. In aller Regel endeten krankheitsbedingte Kündigungen mit einem Vergleich.

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